Espressostrategie: klein, stark, aufs Wesentliche reduziert – Ein Interview mit Maren Martschenko

Espressostrategie? Was bedeutet das? Was machst Du beruflich, wo liegt dabei der Fokus?

Ich arbeite als freiberufliche Markenberaterin für Solopreneur*innen, kleine Unternehmen und Start-ups. Mein Beratungsansatz ist die Espressostrategie, denn ich bin der Überzeugung, eine Marke sollte sein wie ein Espresso: Klein, stark, aufs Wesentliche reduziert.

Mein Fokus liegt dabei auf der strategischen Positionierung der Unternehmensmarke bzw. der Unternehmer*innen-Marke im digitalen Zeitalter. Die Digitalisierung bietet heute viele großartige Chancen für erfolgreiche Markenführung durch neue Kommunikationswege und auch Geschäftsmodelle. Da lohnt es sich, neu zu denken. Das gilt für meine Auftraggeber*innen genauso wie für mich selbst.

Im letzten Jahr habe ich begonnen, mein Beratungsgeschäft zu digitalisieren. Mein gesamtes Knowhow stelle ich nun nach und nach im Magnetprodukt-Club zur Verfügung. Das ist Deutschlands erste Lernplattform für Solo-, Duo- und Sidepreneur*innen, die mit Spaß und schnellen Erfolgserlebnissen an ihrem Business arbeiten wollen.

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In welchem Bereich fühlst du dich am wohlsten und warum?

Im eben genannten: Markenpositionierung und Markenführung im digitalen Zeitalter für inhabergeführte Unternehmen. Fürs Wohlbefinden ist auch meine Rolle in dem Prozess wichtig. Am wohlsten fühle ich mich in der Rolle des Chief Enthusiasm Officers.

Ich will meine Kund*innen in Sachen Marke empowern und enablen, wie man auf Neudeutsch sagt. Mir ist nicht nur wichtig, dass sie nach der Beratung wissen, wie sie ihre Marken führen, sondern dass sie das auch tagtäglich mit Freude tun.

Viele Unternehmen spüren, dass sich die Welt um sie rasant schnell verändert. Wir bringst Du diese Erfahrung zu Deinen Kunden, wie vermittelst Du sie Ihnen?

Es ist ein Mix aus Vorleben und Erfahrung Vermitteln. Robert Wong, der Chief Creative Officer von Google Creative Lab sagte einmal in einem Interview: “Don’t sell your expertise, because expertise is always limited. Sell understanding – it’s infinite.” Im Beratungsprozess oder auch in meinem Magnetprodukt-Club steht immer die kundenzentrierte Haltung und die direkte Erfahrung im Fokus.

Meine Kund*innen und Mitglieder motiviere ich, möglichst schnell Dinge auszuprobieren und Resonanz zu erfahren, um diese dann direkt zu integrieren. Das Wissen darum, wie man eine Marke aufbaut und führt, vermittle ich mit den praktischen Aufgaben. Jeff Bezos sagte einmal: „Marke ist das, was andere über dich sagen, wenn du nicht im Raum bist.“

Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage: „Marke ist das, wie andere mit dir, deinem Unternehmen, deinen Produkten interagieren.“ Deshalb ist es so wichtig, möglichst früh Interaktionen mit Kund*innen und Community in den Markenbildungsprozess zu integrieren. Da hilft es auch, selbst im eigenen Unternehmen kontinuierlich daran zu arbeiten, das eigene Geschäftsmodell, die eigene Marke stetig weiterzuentwickeln.

Wie würdest Du aus Deiner Sicht den Begriff “Digitalisierung” erklären?

Digitalisierung ist die Transformation von bisher analogen Prozessen, Kommunikation, Information, Verhalten, Geschäftsmodellen u.ä. in eine digitale Form.

Welche Geschäftsmodelle haben in Zukunft die besten Chancen?

Diejenigen, die kundenzentriert entwickelt worden sind und konsequent kundenzentriert geführt werden.

Was hast Du bisher für Erfahrungen mit der DSGVO gemacht? Wir haben ja 2018 alle viel Zeit und Geld in das Thema gesteckt, was gibt es bisher für Erfahrungen damit? Wirkt sich die aktuelle Gesetzgebung praktisch auf Dein Business aus?

Ich finde es grundsätzlich richtig und wichtig, die Nutzungsdaten, ganz besonders die persönlichen Daten, zu schützen. Ein verantwortungsvoller Umgang damit gehört für mich als Unternehmerin zum Alltag. Verantwortungsvoll heißt für mich, möglichst wenig persönliche Daten abzuspeichern, und wenn ich es doch muss, es transparent zu machen.

Leider ist die Gesetzeslage sehr komplex und ständig in Veränderung. Das macht es nicht so einfach, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ohne meine Anwältin wäre ich bei dem Thema aufgeschmissen.

Ein Dilemma, in dem ich – wie viele andere sicher auch – stecke: Ich will meinen User*innen einerseits die bestmögliche Nutzungserfahrung geben. Andererseits haben die Anbieter*innen der nutzungsfreundlichsten Tools oft nicht ihren Sitz in der EU und andere Vorstellungen von Datenschutz als hierzulande.

Ich stehe regelmäßig vor der Entscheidung: Bestes Tool und damit Datentransfer in die USA oder mittelmäßiges Tool und Daten gemäß EU-Recht? Dann lieber bestes Tool. Das führt dazu, dass mein Datenschutzhinweis länger und länger wird und meine Anwältin reicher 😉

In einer Zeit, in der bisher definierte Berufsbereiche immer mehr ineinander übergehen und sich gemachte Erfahrungen im neuen Kontext verändern: wie politisch und/oder gesellschaftlich muss/darf unsere Arbeit sein?

Arbeit ist immer politisch und gesellschaftlich. Als Unternehmerin und Beraterin gestalte ich direkt oder indirekt das Umfeld, in dem ich wirke, mit. Das hat Auswirkungen auf die Menschen, mit denen ich arbeite, und die Umwelt. Umgekehrt haben politische Entscheidungen Einfluss auf meine Arbeit. Die Gesetze, die für mich als Freiberuflerin und Selbständige gelten, bestimmen meinen Aktionsradius und Gestaltungsspielraum. Dazu drei Beispiele:

  • Im letzten Jahr wurde sehr deutlich, dass für uns Selbständige bei der Corona-Hilfe andere Regeln gelten als für Unternehmen mit Mitarbeiter*innen. Ein sehr politisches Thema!
  • Als ich mein Unternehmen im Jahr 2009 gegründet habe, war es mir wichtig, dass der CO2-Abdruck meines unternehmerischen Handelns möglichst gering ist. Daher habe ich mich bei Ökoprofit zertifizieren lassen und gelernt, was ich dafür tun kann. So laufen meine Webseiten z.B. auf Servern, die mit Ökostrom betrieben werden. Ich mache meine Dienstreisen mit Bahn und Rad. Dafür habe ich mir ein Klapprad gekauft, das ich immer mitnehmen kann. Alleine dadurch, dass ich kein Auto habe, spare ich jede Menge CO2 ein.
  • In einem kommunikativen Beruf wie meinem spielt Sprache eine große Rolle. Sprache bestimmt unser Denken, das Denken unser Handeln. Gleichberechtigung ist mir ein wichtiges Anliegen, daher spreche ich Frauen und Männer gleichermaßen an. Als Buchautorin habe ich in meinem Verlag das erste Buch in gendergerechter Sprache veröffentlicht. Für mich ist es also keine Frage, ob unsere Arbeit politisch oder gesellschaftlich sein darf oder muss. Sie ist es. Die Frage ist, wie gehe ich mit dieser Verantwortung um? Wie bewusst sind mir die Auswirkungen meiner Arbeit auf Politik und Gesellschaft? Inwieweit kann und will ich das gestalten? Wie sehr beeinflussen Gesellschaft und Politik meine unternehmerischen Entscheidungen? In meiner idealen Welt berücksichtigen Arbeitende und speziell Unternehmer*innen bei ihrem Handeln die Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Gesellschaft. 

Was war für Dich eine besonders gute Erfahrung? Was ist Dir im Job besonders gut gelungen? Was war für Dich eine völlig neue Erfahrung?

Rein statistisch ist es ein Erfolg, dass ich hierzulande als Unternehmerin mit drei Kindern nach über zehn Jahren immer noch selbständig bin und damit den Lebensunterhalt für mich und meine Familie verdiene. Ich war selbst sehr erstaunt, als mir die Leiterin des Gründerinnen-Zentrums in München das erzählte. Es sind weniger als zehn Prozent, denen das gelingt.

Da ist mir etwas besonders gut gelungen zu sein, ohne dass mir das bewusst gewesen wäre. Dass es so wenige selbständige Mütter in Deutschland gibt hat ganz viel mit unserer Gesellschaft und Politik zu tun. Siehe die vorangegangene Frage.

Was mir in meinem Job besonders gut gelingt: Leute zu motivieren, zu begeistern, dabei zu unterstützen und zu begleiten, „ihr Ding“ zu machen, im besten Sinne eigensinnig zu agieren und damit einen echten Unterschied in ihrem Bereich zu bewirken.

Eine völlig neue Erfahrung mache ich gerade mit meiner Lernplattform. Es begeistert mich, wie viele Tools es heute schon für kleines Geld oder auch dank der WordPress-Community kostenlos gibt, und wie schnell ich damit eine digitale Lernplattform mit angeschlossener Community aufbauen kann. Neu ist auch die Erfahrung zum ersten Mal nicht alleine ein Unternehmen aufzubauen, sondern zusammen mit einem Partner. Das macht noch mehr Spaß und bringt schneller Erfolg, weil sich unsere Expertisen, Erfahrungen und Persönlichkeiten sehr gut ergänzen.

Welche Tools arbeiten für Dich sinnvoll, womit erleichterst Du Deinen Alltag?

Ich nutze einige Tools, Devices und Workhacks, die mir meinen Arbeitsalltag erleichtern: Smartphone, Dropbox, Jira, Miro, Inbox-Zero, Timeboxing uvm. Ein Tool, das wirklich für mich arbeitet, ist Digistore24 in Verbindung mit dem Plugin Digimember. Über Digistore verkaufe ich meine Produkte. Die Abrechnung erfolgt automatisiert. Via Digimember landen die Käufer*innen dann direkt bei den gekauften Produkten und Services, sei das Magnetprodukt-Kit oder der Magnetprodukt-Club und können völlig ohne mein Zutun loslegen.

Hast Du ein Motto? Wenn ja, welches?

„Done is better than perfcet“

Wo findet man dich in den sozialen Netzwerken?

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Espressostrategie Maren Martschenko

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Portraitfoto: Raimund Verspohl

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